Warum die Honigsammler sterben, ist kein Rätsel. Im Gegenteil, wir können etwas tun, um sie zu retten!

bieneStellen Sie sich vor, im Supermarkt wäre die Obst- und Gemüseabteilung fast leer. Keine Äpfel, keine Karotten oder Zitronen, keine Zwiebeln und Gurken. Nur hinten rechts liegt ein halber, eingeschweißter Jonagold-Apfel für 5,50 Euro … Genau so könnte unser Früchteangebot aussehen, wenn immer mehr Bienen sterben. Schon seit rund zehn Jahren ist bekannt, dass jedes Jahr bis zu 30% aller Schwärme eingehen. Dabei sind die Bienen diejenigen, die mehr als drei Viertel unserer Nahrungspflanzen bestäuben – und damit für deren Frucht- und Fortbestand sorgen. Gibt es keine Bienen, gibt es keine Früchte.

 

Am Anfang des Bienensterbens steht der Mensch.

In einer Landwirtschaft, die mehr und mehr auf den Massenanbau einzelner Produkte setzt, also zum Beispiel nur Monokulturen von Mais, so weit das Auge reicht, finden Bienen oft nur noch wenige Wochen im Jahr etwas zu Essen. Schließlich blüht ja jede Pflanze nur wenige Wochen. Bienen brauchen aber Blütenvielfalt, damit sie und ihr Nachwuchs dauerhaft mit Pollen versorgt sind: Erst Löwenzahn, dann Raps, dann Margeriten, dann Mohn, dann Sonnenblumen … Fehlt ihnen dieses abwechslungsreiche Futterangebot, werden sie schwach und anfällig für Schädlinge und Krankheitserreger. In wie weit gentechnisch veränderte Pflanzen diesem Kreislauf zuspielen, ist noch nicht ausreichend erforscht – im Verdacht, zu schaden, stehen Genpflanzen auf jeden Fall. Der Mensch erschwert den Bienen ihre Sammelflüge aber auch durch giftige Pflanzenschutzmittel. Vor allem Neonicotinoide, so beweisen Studien , wirken auf das Bienengehirn ähnlich wie eine schwere Alkoholvergiftung auf den Menschen: Die Tiere erinnern sich durch sie nicht mehr an Wege und Nahrungsquellen, brauchen viel länger, um Nektar und Pollen zum Stock zu bringen oder müssen sich ganze Tage reglos von der Chemikalie erholen. Auch das schwächt. Und so kommt es, dass die Varroa-Milbe eine der der Hauptursachen für das Massensterben der Bienen ist. Das besagt die Langzeitstudie „Deutsches Bienenmonitoring“. Der aus Asien eingewanderte Schädling hat leichtes Spiel mit seinen Opfern: Er ernährt sich vom Blut der Larven und infiziert sie mit Pilzen und Viren.

Falls die Bienen komplett ausfallen, würde das einen wirtschaftlichen Schaden von jährlich 300 Milliarden Euro weltweit bedeuten, berechneten Wirtschaftsexperten. Andererseits geschähe aber noch etwas viel Schlimmeres. Der Mensch würde einer völlig neuen Situation gegenüber stehen, dem Ausfall einer ganzen Insektenart. Was das bedeutet, ist nicht abzusehen. Schließlich sind nicht nur Pflanzen von Bienen abhängig, sondern auch die Kleinlebewesen, die von diesen Pflanzen leben. Und von diesen Käfern, Würmern und Vögeln hängen wieder andere Kreisläufe ab… an deren Ende wir selbst stehen.

Doch so weit müssen wir es nicht kommen lassen. Politiker haben schon vorgelegt: Da sie den Bienen schaden, hat die EU bestimmte Pestizide vorerst bis 2015 verboten – eine Verlängerung und Ausweitung auf mehr Schadstoffe ist auf dem Weg. Auch Initiativen, die kleinere Betriebe mit biologischem Anbau fördern, bilden sich. Wer einen eigenen Garten oder ein Feld besitzt, kann helfen, indem er für Blütenvielfalt sorgt und blühendes Ackerrain-„Unkraut“ stehen lässt (Tipp: Saatgut „Veitshöchheimer Bienenweide“ mit Kornblumen, Mohn, Borretsch und Sonnenblumen).

Doch auch normale Endverbraucher können etwas tun. Wer den Bienen helfen will, legt beim Einkaufen Wert auf ungespritzte Ware und kauft Obst und Gemüse aus kleinen, regionalen Betrieben. So setzen wir alle ein Zeichen gegen Umweltgifte und Monokulturen. Die 600.000 Bienenvölker in Deutschland werden so wieder stark – und in unserem Obstkorb herrscht gesunde Vielfalt.

Infos zum Thema gibt es auf www.greenpeace.de unter dem Stichwort Bienensterben. Unter dem Artikel „Bienensterben durch Pestizide“ steht außerdem eine umfangreiche Broschüre namens „Bye, Bye Biene“ zum PDF-Download bereit. Für Kinder: Auf Youtube singen Fettes Brot und andere deutsche Künstler den Song „Let’s save the bees“ – Reinhören lohnt sich.